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Change Resilience im UX Research:
Wie Du in Veränderung Klarheit und Wirkung behältst

Bevor wir in die Besonderheiten dieser Rolle einsteigen, findest Du hier eine Einführung in das Grundkonzept von Change Resilience.

 

Warum Change UX Research stärker trifft als viele andere Rollen

UX Research bewegt sich in einer systemischen Besonderheit: Es ist oft unterbesetzt, quer im Unternehmen verankert und stark abhängig von Prioritäten, die außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen. Wenn organisationaler Wandel entsteht – Umstrukturierung, neue Strategien, neue Roadmaps, neue Verantwortlichkeiten – trifft er Research oft unmittelbarer als viele andere Funktionen. Plötzlich verschieben sich Themen, Stakeholder wechseln, Entscheidungen verzögern sich, und gleichzeitig wird erwartet, dass Research weiterhin Orientierung bietet und Antworten auf neue Fragen liefert, die produktseitig durch den Change entstehen.

 

Wo Researcher:innen im Wandel Stabilität verlieren

Veränderung wirkt im Research-Alltag nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Fachliche Themen fallen weg oder verändern sich kurzfristig, ohne dass klar ist, was als Nächstes kommen soll. Produktthemen geraten ins Stocken, Teams sortieren sich neu, und dennoch wollen Produktentscheidungen voranschreiten. Diese Lücken erzeugen Verunsicherung – nicht, weil Menschen nicht kompetent wären, sondern weil die Umgebung selbst instabil wird. Research verliert dadurch häufig Fokus, Klarheit und Wirkung.

 

 

Change Resilience im UX Research – die drei Dimensionen im Kontext dieser Rolle

Die drei Dimensionen von Change Resilience – wie ich sie im Grundartikel beschreibe – bilden auch für UX Research den inhaltlichen Rahmen. Aus jeder dieser Dimensionen lassen sich spezifische Aspekte ableiten, die besonders sichtbar machen, was Researcher:innen im Wandel stärkt: innere Stabilität, Handlungsfähigkeit im Alltag und tragfähige Zusammenarbeit. Diese Perspektive macht sichtbar, wie Research in Veränderungsphasen Orientierung und Wirkung behalten kann.

 

  1. Innere Ruhe und Stabilität bewahren

Innere Ruhe & Stabilität bedeutet im UX Research, einen klaren professionellen Kern zu behalten – auch dann, wenn sich Themen, Stakeholder oder Erwartungen schnell verändern. Researcher:innen sind oft die ersten, die spüren, wenn ein Projekt kippt, Prioritäten sich verschieben oder Entscheidungen vertagt werden. In solchen Momenten hilft es, sich an der eigenen Research-Haltung zu orientieren: 

  • Den eigenen Research-Anspruch realistisch halten, wenn Datenlage oder Entscheidungszyklen sich durch Change verändern.
  • Bewusst unterscheiden zwischen fachlicher Verantwortung (z. B. Qualität der Erkenntnisse) und organisationalen Erwartungen (z. B. alles retten sollen).
  • Sich auf die Kernhaltung des Research besinnen: neugierig bleiben, beobachten, verstehen – auch wenn das Umfeld unruhig wird.

Stabilität bedeutet hier nicht, alles auszuhalten, sondern die eigene Rolle nicht aus den Augen zu verlieren, wenn rundherum Unsicherheit entsteht.

 

  1. Handlungsfähig bleiben

Handlungsfähigkeit entsteht im Research nicht durch starre Prozesse, sondern durch eine stabile Basis – ResearchOps, klare Standards, abgestimmte Abläufe. Wenn die Organisation sich verändert, tragen diese Strukturen dazu bei, dass Research weiterhin funktionieren kann, auch wenn außen Chaos herrscht. Dazu gehört: pragmatische Priorisierung, angepasste Methodenwahl, kleine, wirksame Schritte statt Perfektion. Handlungsfähig bleiben bedeutet, Research arbeitsfähig zu halten – ohne sich zu überfordern:

  • Priorisierung entlang von Impact und Risiko der Produktentscheidungen (nicht nur generelle Priorisierung).
  • Methoden bewusst verkürzen oder anpassen, weil Change oft weniger Zeit, weniger Fokus und weniger Stakeholder-Stabilität bedeutet.
  • Kleine, klare Deliverables nutzen, die auch in unsicheren Kontexten wirkungsvoll bleiben (Mini-Insights, Hypothesen-Checks, schnelle Synthesen).

Handlungsfähigkeit im Research heißt: Methoden, Standards und Outputs so anpassen, dass sie trotz organisationalem Chaos pragmatisch wirken können.

 

  1. Miteinander in der Veränderung gestalten

Research arbeitet nie isoliert. Veränderung betrifft immer auch Teams, Produktbereiche, Stakeholder. Change Resilience zeigt sich hier in der Fähigkeit, Erwartungen klar zu kommunizieren, Dialogräume zu öffnen und gemeinsam Orientierung zu schaffen. Research kann in Change-Situationen eine besondere Rolle einnehmen: als Spiegel, als Strukturgeber, als Partner im Denken. Diese Zusammenarbeit macht Veränderung nicht leichter – aber tragfähiger.

  • Erwartungen klären auf Basis dessen, was Research realistisch leisten kann, nicht dessen, was Stakeholder hoffen.

  • Stakeholder spiegeln, wie sich Change auf Erkenntnisgewinn, Datenqualität und Entscheidungsbasis auswirkt 

  • Mit Teams gemeinsam Orientierung herstellen, indem Research Muster sichtbar macht, Komplexität reduziert und Entscheidungsoptionen strukturiert.

Damit schafft Research einen Rahmen, in dem Teams auch im Wandel handlungsfähig bleiben.

 

 

Wenn diese drei Bereiche im Alltag fehlen oder zu kurz kommen, zeigt sich das sehr schnell – nicht nur individuell, sondern im gesamten Research-System.

Typische Risiken, wenn Change Resilience im Research fehlt:

  • Researcher:innen versuchen, jede Lücke zu schließen – oft aus Verantwortung, nicht aus ihrer Rolle heraus.
  • Sie übernehmen Themen, die formal nicht bei ihnen liegen.
  • Qualität leidet durch ständige Kontextwechsel, Reaktivität und das Festhalten an Projekten, die während des Changes ins Wanken geraten.
  • Teams überlasten schnell und ziehen sich zurück.
  • Research verliert Wirkung – nicht durch individuelle Fehler, sondern durch systemische Überforderung.

 

Aus diesen Mustern wird sichtbar, wo Researcher:innen und Leads ansetzen können, um Stabilität und Wirkung im Wandel zu halten:

  • Rollenklarheit herstellen und regelmäßig prüfen: Was gehört wirklich zu mir?
  • ResearchOps und Teamstandards stabil halten – sie sind der Anker im Change.
  • Erwartungen frühzeitig klären, auch wenn vieles unklar bleibt.
  • Prioritäten konsequent vereinfachen und transparent machen.
  • Sich gegenseitig entlasten und bewusst Räume für Austausch schaffen.
  • UX Research Teams vor Überlast schützen, Puffer schaffen und Orientierung geben, ohne künstliche Sicherheit vorzutäuschen.

All das sind keine schnellen Lösungen, aber sie schaffen die Voraussetzungen, damit Research auch in hektischen Situationen klar und wirksam bleiben kann.

 

„Was brauchst Du, damit Research auch dann wirksam bleibt, wenn alles um Dich herum alles in  Bewegung ist?“

 

Wenn Du das Gefühl hast, dass Veränderung Deine Rolle oder Dein Team stärker fordert, als es gut ist, lass uns darüber sprechen.
In einem unverbindlichen Austausch können wir gemeinsam sortieren, was Dich stabilisiert, wo Du Orientierung brauchst und welche Schritte Dir helfen, im Wandel handlungsfähig zu bleiben.

 

Lass uns sprechen

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