Wie schnell ein „Ja“ passiert
Es passiert schnell: Eine Kollegin fragt „Kannst Du mal kurz drüberschauen?“, ein PM braucht „nur ein paar Interviews“, ein Team möchte „die Nutzerperspektive validieren“. Und noch bevor Du bewusst entschieden hast, hörst Du Dich „Ja“ sagen.
Nicht, weil Du Zeit übrig hast. Sondern, weil Du die Instanz für Nutzerfragen bist. Weil Du helfen willst. Weil Du weißt, wie wichtig gute Entscheidungen sind. Und vor allem, weil Du niemanden hängen lassen möchtest.
Gleichzeitig spürst Du: Dieses „Ja“ hat einen Preis. Es frisst Fokus, Energie, Zeit – und drängt Deine eigenen Prioritäten nach hinten.
Warum ein „Nein“ sagen so schwer fällt
Viele Researcher:innen und UX Leads bringen Eigenschaften mit, die wertvoll und wirksam sind – aber das „Nein“ sagen erschweren: ein hoher Anspruch an Verlässlichkeit und Qualität, starkes Harmoniebedürfnis, der Wunsch, Wirkung zu entfalten, die Sorge, Beziehungen zu schädigen oder an Einfluss zu verlieren.
Und ein zusätzlicher Punkt, der permanent mitschwingt: die Sorge, dass jemand anders – oft ohne Research-Expertise – die Aufgabe übernimmt, wenn Du Nein sagst. Dass schlechte Research‑Praktiken entstehen, wenn Du nicht einspringst.
Dieser Druck ist real. Und er macht das „Nein“ zu einer emotionalen Entscheidung, nicht zu einer sachlichen.
Wofür Du Dich mit einem „Nein“ entscheidest
Ein „Nein“ fühlt sich oft wie ein Stopp an. Wie ein Abbruch. Wie ein Risiko.
Aber in Wahrheit ist es eine Entscheidung für etwas:
Und genauso gilt: Jedes „Ja“ ist automatisch ein „Nein“ zu etwas anderem. Häufig zu Dir selbst, Deinen Prioritäten oder Deinen Zielen.
Diese Wechselwirkung bewusst zu sehen, verändert viel. Plötzlich wird sichtbar, dass ein „Nein“ nicht destruktiv ist – sondern ein Akt von Selbstfürsorge.
Die inneren Stimmen, die Dich daran hindern
Es sind selten fachliche Argumente, die uns hindern, „Nein“ zu sagen. Meistens sind es innere Stimmen:
Dazu kommt oft der Zweifel:
Diese Sätze sind stark – aber sie sind keine Fakten. Sie sind erlernte Muster. Und sie arbeiten gegen Deine Rolle, nicht für sie.
Wenn Dich genau dieser Punkt beschäftigt – also die Frage, welche Verantwortung wirklich zu Deiner Rolle gehört und welche Du unbewusst übernommen hast –, findest Du hier eine vertiefende Perspektive.
Was „Nein“ sagen für Deine Wirksamkeit bedeutet
Ein „Nein“ ist keine Einschränkung von Wirkung – es ist ihre Voraussetzung.
Ein „Nein“ ermöglicht:
„Nein“ sagen ist damit ein Resilienz-Werkzeug. Es schützt Dich, damit Du langfristig wirken kannst.
Ein Bild, das „Nein“ sagen leichter macht
Grenzen, die durch ein „Nein“ entstehen, sind keine Mauern.
Sie sind eher wie ein ruhiger, durchlässiger Gartenzaun: sichtbar, klar, orientierend – mit einer Tür, die Du öffnen kannst, aber nur von innen.
Dieses Bild hilft, das „Nein“ aus der Ecke der Abwehr zu holen. Es ist keine Trennung, sondern Struktur. Und es erleichtert Dir, Erwartungen klarer zu formulieren und Zusammenarbeit zu entlasten.
Der Moment, in dem Du „Nein“ sagst, ist kurz und trotzdem schwer zu überwinden. Und vor allem ist er eins: bedeutsam.
Ein professionelles „Nein“ hat drei Komponenten:
Nicht erklären. Nicht entschuldigen. Nicht klein machen. Sondern benennen, was für Dich gerade wichtig ist.
Ein „Nein“ entsteht aus Klarheit über die eigenen Bedürfnisse – nicht aus Abwehr.
„Nein“ sagen richtet sich nicht gegen Menschen. Es richtet sich auf Klarheit. Für Prioritäten. Für Gesundheit. Für Wirksamkeit.
Und manchmal beginnt diese Wirksamkeit mit einem Satz, der nur vier Buchstaben hat.
Welche Bitte sagst Du im Alltag immer wieder „kurz mal“ zu – obwohl sie Dich jedes Mal mehr kostet, als Du zugeben möchtest?
Für viele ist das der Punkt, an dem klar wird: Das Problem ist nicht das einzelne „Ja“, sondern meine eigene Haltung zum „Nein“.
Wenn Du Dich darin wiedererkennst und Dir mehr Klarheit, „Nein“ oder Wirksamkeit in Deiner Rolle wünschst – lass uns sprechen. Ein kurzes, unverbindliches Gespräch, um erste Ansatzpunkte zu erkennen.
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